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Lucie König: „Gerade Mütter geben richtig Gas“

Lucie König: „Gerade Mütter geben richtig Gas“

Ein Kind als Karrierekiller? Nicht für Lucie König, Leiterin Finanzen und Controlling bei Klüber Lubrication Deutschland. Ihr Interview ist ein Plädoyer für alle berufstätigen Eltern.

Wie sieht dein aktuelles Arbeitszeitmodell aus?

Ich arbeite in Teilzeit. Nach der Elternzeit habe ich zuerst mit 26 Stunden angefangen. Nach sieben Monaten habe ich dann auf 32 Stunden aufgestockt. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind da eine große Erleichterung. Da mein Mann das identische Arbeitszeitmodell hat, sind wir maximal flexibel und können bei Bedarf auch Arbeitstage tauschen. Uns ist es wichtig, gleich viel Zeit mit unserem Kind zu verbringen.

Führungskraft in Teilzeit – siehst du darin einen Widerspruch?

Auf keinen Fall. Ich habe den Anspruch an mich selbst, sehr gute Arbeit zu leisten und allem gerecht zu werden. Natürlich ist es mit einer begrenzten Stundenanzahl nicht immer ganz einfach, aber mit einer positiven Herangehensweise, klappt das.
Auch der Austausch und die Kommunikation mit meinem Team kommen nicht zu kurz. Neben einem festen Regeltermin finden unsere Abstimmungen nach Bedarf statt. Meine Mitarbeiter bringen mir hier viel Verständnis entgegen.

Wie hat dich das Muttersein beruflich verändert? Hast du neue Eigenschaften an dir entdeckt?

(lacht). Ich habe Dinge wie Telefonate oder Termine früher mehr aufgeschoben. Jetzt habe ich nur ein begrenztes Zeitfenster, in dem ich meine Aufgaben abarbeiten kann. Ich komme deshalb schneller zu Entscheidungen und bin fokussierter. Ich würde sagen, dass ich durch mein Kind strukturierter und effizienter geworden bin.  

Viele Frauen befürchten einen Karrierestillstand, wenn Sie in Teilzeit arbeiten –
Wie siehst du das?

Ich kann die Ängste verstehen. Frauen wird von allen Seiten sehr viel Druck gemacht. Allerdings völlig zu unrecht. Gerade Mütter wollen sich beweisen und geben richtig Gas. Es wird Zeit, dass mehr Arbeitgeber das als Stärke anerkennen. Eine Mitarbeiterin, die höchstmotiviert zurückkehrt aus ihrer Elternzeit, ist doch das Beste, was einem Arbeitgeber passieren kann! Das gleiche gilt auch für Väter. Ich wünsche mir, dass mehr Männer die Möglichkeit von Teilzeit in Anspruch nehmen, damit es das Selbstverständlichste der Welt wird. Voraussetzung ist natürlich, dass die Arbeitgeber da noch flexibler werden. 

Inwieweit unterstützt dich dein Arbeitgeber?

Unsere Geschäftsleitung ist Vorreiter was moderne Arbeitszeitmodelle angeht. Ich erhalte da extrem viel Unterstützung von unseren beiden Geschäftsführern. Ohne die Offenheit und das Vertrauen von Jürgen Kopp, meinem Chef, würde es definitiv nicht funktionieren. Wenn mein Kind beispielsweise mal krank ist, kann ich das gut abfedern. Ich kann meine Arbeit nachholen, sodass nichts liegen bleibt. Für Jürgens Vertrauen bin ich sehr dankbar. 

Welche Tipps hast du für Mütter, die zurück in den Job kommen möchten?

Das Wichtigste ist, dass man sich nicht von anderen leiten lässt. Man sollte nur auf sich und sein Kind hören. Ich kenne diese „gefühlten Hürden“, wie die Unsicherheit, ob man Karriere und Kind schafft, nur zu gut. Aber ich weiß mittlerweile auch, dass es leichter wird, wenn man mal zurückgekommen ist.

Wie hältst du die Work-Life-Balance?

Meine Work-Life Balance wird durch die Abwechslung von Kind und Beruf gehalten. Mein Kind bringt mich in die richtige Balance (lacht).  Wenn ich nachmittags nach Hause komme, habe ich noch viel Energie für meinen Sohn. Gleichzeitig gibt mir die Zeit mit ihm viel Energie für den Job zurück.