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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Bauteilanalyse mit der Wärmebildkamera

Das thermografische Verfahren liefert wichtige Informationen über den Zustand von Anlagenkomponenten und der verwendeten Schmierstoffe, ohne dass dafür die Produktion unterbrochen oder verlangsamt werden muss. Daher spielt die Thermografie eine zunehmend wichtige Rolle bei der Bauteildiagnose. Allerdings kann der ungeschulte Blick auf das gewonnene Bildmaterial zu Missinterpretationen führen. Deshalb ist es notwendig, dass Unternehmen, die Services in dem Bereich anbieten, speziell ausgebildetes Personal einsetzen. Ein zertifizierter Spezialist für Thermografie ist in der Lage, das Material korrekt auszuwerten, um Optimierungspotenzial von Anlagen aufzuzeigen und konkrete Maßnahmen vorzuschlagen.

 

Im Gespräch mit Kurt Remde, zertifizierter Spezialist für Thermografie bei Klüber Lubrication.

Was ist Thermografie? Wie funktioniert sie?

Die Thermografie ist ein bildgebendes Verfahren, das Wärmestrahlung misst und dann die Oberflächentemperaturen von Objekten farblich und grafisch darstellt. Dabei wird für das menschliche Auge unsichtbare Infrarotstrahlung mit Hilfe einer Wärmebildkamera in elektrische Signale umgewandelt. Aus diesen Signalen erzeugt die Kamera ein Bild, aus dem Temperaturdaten abgelesen werden können und das Experten über den Zustand des inspizierten Objekts Aufschluss gibt. Die Thermografie leistet somit wertvolle Unterstützung bei der Fehlerdiagnostik von Anlagen und führt zu einem besseren Verständnis der Vorgänge in einer Anwendung.

 

Welche Vorteile hat die Thermografie gegenüber anderen Methoden?

Von Vorteil ist, dass mittels der Thermografie ein Infrarotbild während des laufenden Betriebs berührungslos erzeugt werden kann. So lässt sich sehr schnell erkennen, ob und an welchen Stellen eine Überhitzung stattfindet. Mit den herkömmlichen Verfahren hingegen muss man für eine Analyse der Schmierstoffe die Anlagen stoppen und gegebenenfalls Komponenten ausbauen, um eine Öl- oder Fettanalyse durchzuführen. Das hat natürlich Ausfallzeiten zur Folge.

 

Wo setzt Klüber Lubrication die Thermografie ein und welche Vorteile haben Anwender davon?

Der Schwerpunkt von Klüber Lubrication liegt in der Fehlerdiagnostik von Anlagen, d.h. in diesem Fall beispielsweise von Wälzlager- und Hydraulikanwendungen, Getrieben und offenen Zahnradantrieben. Dank der Thermografie können wir den entsprechenden Prozess bildlich darstellen. So bekommen unsere Kunden ein besseres Verständnis der Vorgänge in ihrer Anwendung, das sie bei Entscheidungen unterstützt. Ein Bild sagt nun mal mehr als viele Worte.
 

 

So ist die Thermografie beispielsweise hilfreich zur Verdeutlichung von Alternativen im Rahmen unserer Serviceangebote zur Steigerung von Leistung und Energieeffizienz. Mit dem Verfahren haben wir die Möglichkeit, Optimierungspotenzial beim Kunden aufzudecken und entsprechende Schmierstoffvorschläge zu unterbreiten. Zum Beispiel kann mittels der Thermografie die Temperaturabsenkung bei einer Umstellung auf einen effizienteren Spezialschmierstoff detailliert dokumentiert und optisch dargestellt werden.

 

Was heißt das konkret und wieso ist eine Temperaturabsenkung wünschenswert?

Hohe Temperaturen in Komponenten zeigen ein hohes Maß an Reibung an und somit auch einen hohen Verschleiß der jeweiligen Bauteile. Darüber hinaus reduziert Überhitzung die Standzeiten von Schmierstoffen, was häufigere Wartungsintervalle erforderlich macht. Nicht zuletzt ist hohe Temperatur immer auch mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. Eine Temperaturabsenkung von Schmierstoffen, beispielsweise durch die Umstellung von Mineralölen auf ausgewählte synthetische Öle, ist daher gewünscht. So können die Standzeiten des Schmierstoffs verlängert, der Verschleiß von Komponenten deutlich verringert und der Energieverbrauch gesenkt werden.

 

Können Sie uns konkrete Beispiele aus der Praxis nennen, wie durch die Thermografiemessung die Anlageneffizienz gesteigert werden konnte?

Bei einem bekannten, weltweit tätigen Süßwarenhersteller haben wir in der Schokoladenherstellung an zwei Großconchen eine Temperaturmessung durchgeführt. Dabei wurden zwei identische Getriebe mit zwei unterschiedlichen Spezialschmierstoffen von Klüber Lubrication betrieben: Eines mit einem NSF H1 PAO Schmierstoff, das andere mit einem Klübersynth UH1 6 Öl mit derselben Viskositätslage. Via Thermografie konnten wir ein Temperaturdelta von 30 Kelvin darstellen. Das heißt für den Kunden, dass beim Einsatz eines Polyglykol-Öls von Klüber Lubrication gegenüber einem PAO in dieser Getriebeanwendung die Temperatur um zirka 30 Grad Kelvin abgesenkt werden kann. Somit werden alle Bauteilkomponenten thermisch weniger belastet. Das Öl kann länger eingesetzt werden, die Standzeiten verlängern sich.

 

Was muss bei der Durchführung der Thermografiemessung beachtet werden?

Zu beachten ist, dass die Thermografie nur von zertifizierten und erfahrenen Thermografen und mit dem entsprechenden professionellen Equipment durchgeführt werden sollte. So kann sichergestellt werden, dass die Messung korrekt erfolgt und die Messergebnisse richtig gedeutet werden. Ohne ausreichendes Training können gewonnene Werte komplett falsch interpretiert werden.

 

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit Ihrem Angebot an?

Genau genommen ist unser Angebot interessant für alle, die mit dem Thema Energieeffizienz zu tun haben. In einigen Unternehmen gibt es dafür eigens Energiebeauftragte. In anderen fällt das Thema in die Verantwortung von Produktions-, Betriebs- oder Instandhaltungsleitern.