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Pont Jacques-Chaban-Delmas

Pont Jacques-Chaban-Delmas

Hochleistungsschmierstoffe spielen bei der Realisierung dieses Großprojektes eine wichtige Rolle

Überall dort, wo bewegliche Teile unter hohen Belastungen reibungslos funktionieren müssen, ist eine zuverlässige Schmierung unabdingbar. So auch bei der neuen Hubbrücke Pont Jacques-Chaban-Delmas bei Bordeaux, Frankreich. Der Schmierstoffexperte Klüber Lubrication wurde mit der Schmierung sämtlicher Reibstellen beauftragt und konnte diese Vorgabe mit drei Spezialschmierstoffen erfüllen, deren Merkmale passgenau auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten sind.


Die Pont Jacques-Chaban-Delmas ist eine beeindruckende Hubbrücken-Konstruktion aus Beton und Stahl. Im Frühjahr 2013 eröffnet, verbindet sie die beiden Ufer der Garonne und damit die historischen Stadtteile Bacalan und La Bastide der Stadt Bordeaux. Die 433 Meter lange, an der breitesten Stelle 43 Meter breite Hubbrücke verfügt über zwei Fahrbahnen in jede Richtung, Wege für Fußgänger und Radfahrer befinden sich an den äußeren Rändern der Brücke. Zwei weitere Spuren in der Mitte sind für öffentliche Verkehrsmittel reserviert. Besonders beeindruckend ist der zentrale Teil der Brücke, der über eine Länge von 117 Meter angehoben werden kann. Dies wird immer dann erforderlich, wenn große Schiffe, z.B. Kreuzfahrtschiffe, Bordeaux anlaufen - etwa 120 Mal pro Jahr. Bei jedem Hub wird das Mittelstück um 53 Meter angehoben. Dieser Vorgang nimmt etwa 11 Minuten in Anspruch.

Pont Jacques-Chaban-Delmas

Da das historische Stadtzentrum von Bordeaux zum Weltkulturerbe gehört, mussten beim Entwurf der Brücke neben den technischen Anforderungen auch die strengen Kriterien der UNESCO hinsichtlich der Einpassung neuer Bauwerke in ein historisches Umfeld berücksichtigt werden. Bei der Konstruktion kamen die starken Winde in der Region sowie die Wasserstrudel der Garonne erschwerend hinzu.

Bei der Schmierung sind Experten gefragt

Hauptmerkmal der nach dem Entwurf des Architekturbüros Lavigne/Cheron erbauten Hubbrücke sind vier voneinander unabhängige, ab Sockel 77 Meter hohe Pylone mit einem Durchmesser von 11 mal 5,3 Meter. Diese Pylone tragen das gesamte Gewicht des anhebbaren Mittelstücks der Brücke, zirka 2750 Tonnen. Verwirklicht wurde die Brücke von der Firma GTM der Vinci-Gruppe. Die Planung übernahm das Ingenieurbüro NFM Technologies, das eng mit dem Tribologieexperten Klüber Lubrication zusammenarbeitete. Da eine solche anspruchsvolle Konstruktion mit zahlreichen beweglichen Teilen auch an die Schmierung besondere Anforderungen stellt, wurde Klüber Lubrication mit der Schmierung sämtlicher Reibstellen beauftragt.

Der Hubmechanismus der Brücke funktioniert wie ein riesiger Aufzug: Im Inneren der Pylone befinden sich Gegengewichte - vier Metallbarren mit einem Gesamtgewicht von 2694 Tonnen - die das vertikale Anheben des Mittelstücks ermöglichen. In jedem der Pylone befindet sich ein System aus Kabeln, die an einer Seite mit dem Gerüst, auf der anderen mit den Gegengewichten verbunden sind. Die Vorliekstrecker erstrecken sich von der Kabelwickeltrommel über eine Umlenkrolle mit einem Durchmesser von vier Metern im oberen Teil der Säule. Die Kontrollzentrale befindet sich auf der rechten Flussseite. Von hier aus wird der Mechanismus durch Motoren und Winden betrieben.

Hubmechanismus

Lange Nachschmierintervalle sind entscheidend

Alle an diesem Vorgang beteiligten beweglichen Teile unterliegen extrem hoher Beanspruchung und müssen zuverlässig und ausfallsicher geschmiert werden. Aufgrund der zum Teil schwer zugänglichen Schmierstellen sollten die Nachschmierintervalle möglichst lang gehalten werden. Zu diesen grundsätzlichen Anforderungen kommen die besonderen Umweltbedingungen durch die Nähe von Bordeaux zum Atlantik, denn eine salzhaltige Atmosphäre hat eine korrodierende Wirkung und zersetzt Schmierstoffe sehr schnell. Eine zusätzliche Vorgabe des Bauherrn war es, möglichst wenig verschiedene Schmierstoffe einzusetzen, um Verwechslungen auszuschließen und Einkauf- und Lagerung zu vereinfachen.

Drei Hochleistungsschmierstoffe für alle Reibstellen

Nach Analyse des Systems konnte Klüber Lubrication drei Spezialschmierstoffe für die zahlreichen Schmierstellen empfehlen, deren unterschiedliche Merkmale die Anforderungen der jeweiligen Schmierstellen hervorragend erfüllen.

Für die Lager der Kabelwickeltrommel und der Winden wurde ein Fett mit einer sehr hohen Viskosität von mehr als 1000 mm²/s benötigt. Klüberlub BE 41-1501 ist ein Schwerlastschmierfett für hochbelastete, langsam laufende Wälzlager, das auf einem hochviskosen Mineralöl (ISO VG 1500), Lithium-Spezialseife und besonders wirksamen EP/AW-Verschleißschutzadditiven aufgebaut ist. Es enthält zusätzlich die Festschmierstoffe MoS2 und Grafit für noch mehr Schutz bei Mangelschmierung und für die Notlaufschmierung.

Wenn die Luft salzhaltig ist

Aufgrund der Nähe zum Atlantik musste bei der tribologischen Planung die Salzkorrosion mitberücksichtigt werden. Diese Anforderung erfüllt das speziell für Marine-Anwendungen entwickelte Klüberplex AG 11-462. Der weiße Betriebs- und Grundierschmierstoff ist ein Aluminiumkomplex-verseifter, streichfähiger Haftschmierstoff auf Mineralölbasis mit weißen Festschmierstoffen. Er ist hoch belastbar und besitzt sehr gute Korrosionsschutzmerkmale auch bei Salzwassereinfluss. Klüberplex AG 11-462 zeichnet sich durch eine sehr gute Haftfähigkeit und durch erhöhten Verschleißschutz aufgrund ausgewählter Festschmierstoffe und Additive auch bei niedrigen Temperaturen aus. Ein zusätzlicher Vorteil des weißen Haftschmierstoffs ist der reduzierte Wartungsaufwand aufgrund geringerer Verschmutzung im Umfeld. Klüberplex AG 11-462 ist vielseitig verwendbar und kann beispielsweise für Zahnkranz- und Ritzelantriebe sowie Lagerungen eingesetzt werden. Auch die Kupplung, Gelenkstücke sowie die Arretierung und Führung der freitragenden Fläche werden mit Klüberplex AG 11-462 geschmiert.

Synthetische Getriebeöle für höchste Zuverlässigkeit

Bei der Schmierung der Getriebe entschied sich Klüber Lubrication für Klübersynth GH 6-320, ein synthetisches Getriebe- und Hochtemperaturöl auf Polyglykolbasis. Klübersynth GH 6-320 Öle verfügen über eine hohe Fress- und Graufleckentragfähigkeit sowie einen sehr guten Verschleißschutz, was frühzeitige Lagerausfälle verhindert. Durch die ausgezeichnete Alterungs- und Oxidationsstabilität des synthetischen Grundöles hat Klübersynth GH 6-320 eine deutlich längere Gebrauchsdauer als Mineralöle, was zu einer Verlängerung der Serviceintervalle führt. Das optimale Reibungsverhalten des Polyglykol Basisöls mindert die Verlustleistung und verbessert den Wirkungsgrad der Anwendung. Das ausgezeichnete Viskositäts-Temperatur-Verhalten unterstützt die Bildung eines ausreichenden Schmierfilms auch bei erhöhten und hohen Temperaturen. Klübersynth GH 6-320 verfügt über einen weiten Gebrauchstemperaturbereich.

Klübersynth GH 6-320

Fazit

Die zuverlässige Schmierung von beweglichen Teilen ist entscheidend für die Ausfallsicherheit von Anlagen, insbesondere in dieser Dimension. Tribologieexperten wie Klüber Lubrication verfügen über ein umfassendes Know-how zum Thema und stehen Betreibern von der Planung bis zur Realisierung tatkräftig zur Seite.