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Die Zukunft der Spezialschmierstoffe (Teil 2)

07. April 2017

Die Zukunft der Spezialschmierstoffe (Teil 2)

In unserer neuen Interviewreihe beantworten Spezialisten von Klüber Lubrication Fragen zu den zukünftigen Trends und Innovationen der Spezialschmierstoffe.

Dr. Stefan Seemeyer, Leiter der Abteilung Research und Development, gibt uns einen persönlichen Einblick, wie der Spezialschmierstoff der Zukunft aussehen wird.

Welche Herausforderungen muss ein Spezialschmierstoff der Zukunft bestehen?

Bei vielen Anwendungen unserer Kunden liegt der Fokus auf immer höheren Leistungsparametern wie z.B. Materialverträglichkeit, Geräuschreduzierung oder Lebensdauerschmierung. Außerdem wird es durch chemikalienrechtliche und marktrelevante Regularien immer schwieriger, Spezialschmierstoffe für einen weltweiten Einsatz zu entwickeln.

Wie können wir uns die Hürden und die Folgen durch die Regularien vorstellen?

In Europa sind wir durch die REACH-Verordnung gezwungen, nur noch Rohstoffe und Additive in der Herstellung unserer Produkte einzusetzen, die registriert und zugelassen sind. In anderen Regionen und Ländern, gibt es ähnliche Regularien, die inhaltlich nicht konform zu REACH sind. So kann es vorkommen, dass ein Rohstoff beispielsweise in Europa zugelassen ist, in einem anderem Land aber nicht. Darüber hinaus müssen wir auch noch marktrelevante Vorschriften, wie zum Bespiel die gängigen Zulassungen für den Einsatz von Spezialschmierstoffen in der Lebensmittelindustrie oder die biologische Abbaubarkeit von Schmierstoffen in der Marineindustrie beachten. Es wird in Zukunft daher zunehmend schwieriger, Rohstoffe und Additive zu finden, die weltweit zugelassen und einsetzbar sind. Wasser könnte hier in Zukunft eine entscheidende Bedeutung als Komponente für Spezialschmierstoffe werden.

Wasser – ist das nicht ein ungewöhnlicher Schmierstoff?

Auf den ersten Blick – Ja. Wir stellen bei unseren Entwicklungspartnern und Kunden durchaus eine gewisse Skepsis gegenüber wasserbasierten Schmierstoffen fest. Und zunächst ist ja auch richtig, dass Wasser gewissen physikalischen und biologischen Grenzen unterliegt. Dazu zählen Verdampfungs- und Gefrierpunkte, Oxidation (Korrosion) oder mikrobiologisches Wachstum.

Jedoch können wir diese Grenzen verschieben. Durch Additive im Schmierstoff oder technische Lösungen am Bauteil können wir die wasserspezifischen Effekte positiv nutzen. Beispielsweise lässt sich verdunstetes Wasser in einem geschlossenen Bauteil im Kreislauf halten und sogar zur Kühlung nutzen. Bestimmte Additive können mikrobiologisches Wachstum verringern oder das Bauteil vor Korrosion schützen.

Welche Rolle könnten wasserbasierte Spezialschmierstoffe einnehmen?

Wasser ist ein Bestandteil des täglichen Lebens und ist ein nachhaltiger Rohstoff. Ein Verbot ist kaum zu erwarten.

Uns ist klar, dass unsere Technologie neu und anders ist. Ein wasserbasierter Schmierstoff kann unter Umständen nicht mit einem konventionellen Schmierstoff verglichen werden und erfordert ein Umdenken. Wir sind daher gefordert, Messungen, Testverfahren und Prüfstände zu hinterfragen und anzupassen.

Aus chemischer und tribologischer Sicht glaube ich, dass unsere wasserbasierten Schmierstoffe uns viele neue Möglichkeiten bieten werden. Wichtig wird sein, dass wir die geeigneten Anwendungen identifizieren und uns dort die Eigenschaften des Wassers zu Nutzen machen.

Sie möchten mehr über wasserbasierte Spezialschmierstoffe erfahren oder sind an einem Test interessiert? Kontaktieren Sie uns per Email unter innovation@klueber.com.